Grundsätze der Waldorfpädagogik

Die Waldorfschule will Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf breiter Grundlage entwickeln, so dass die jungen Menschen den sich wandelnden Anforderungen der Gesellschaft und der spezialisierten Berufswelt gewachsen sind.
Initiativkraft und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt sollen geweckt und geschult werden, die Schüler/-innen werden ermutigt und angeleitet, individuell zu urteilen und selbstbestimmt zu handeln.
Jede menschliche Entwicklung vollzieht sich in Rhythmen. Als besonders bedeutsam wird nicht nur in der Waldorfpädagogik der Siebenjahre-Rhythmus angesehen.
Im ersten Lebensjahrsiebt, bevor das Kind schulreif ist, baut es vor allem seinen Leib auf und lebt ohne Zeitgefühl ganz dem Augenblick hingegeben. Durch seine Sinne verbindet es sich innig mit der Welt. Es möchte diejenigen, die schon in ihr leben, mitempfindend nachahmen und entwickelt ein Urvertrauen: Die Welt ist gut – ich lebe gern in ihr.
Im zweiten Jahrsiebt entfalten sich Erinnerung und Gedächtniskraft, Phantasie und Denkvermögen – auf einem festen Grund. Waldorflehrer/-innen bauen ein von liebevoller Autorität geprägtes Verhältnis zu ihrer Klasse auf. Das Schulkind spürt: Durch diese Menschen lerne ich die Welt besser begreifen; es lohnt sich, in ihr zu lernen und zu arbeiten. Das Grundgefühl sagt: Die Welt ist schön.
Im dritten Jahrsiebt nimmt der junge Mensch Distanz zu seinem Selbst und zur Außenwelt. Er beginnt, die äußere wie die innere Welt als eigenständige Räume zu erleben, die er wie ein Gegenüber kennenlernen, aber auch schützen und bewahren will. In dieser Zeit werden entscheidende Grundlagen für eigenes Urteilen, für die Fähigkeit zur Kritik und für die Ausprägung eines jeweils eigenen Standpunktes, der durch das Denken gesichert ist, angelegt. Dies kann in Gesprächen und im Umgang mit anderen Menschen erweitert und korrigiert werden. Im dritten Jahrsiebt möchte die Waldorfschule Interesse am Leben wecken und die Fähigkeit ausbilden, sich Sachinhalte selbst zu erarbeiten.
Die Jugendlichen erfahren: Die Welt ist wahr. Sie ist nicht willkürlich, sondern nach Gesetzen aufgebaut. Der junge Mensch ist ihr nicht ausgeliefert, sondern soll und kann aus eigener Erkenntnis frei mitgestalten.