



Welche Kinder werden an einer Waldorfschule/an einen Waldorfkindergarten aufgenommen?
Waldorfschulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen. Nach ausführlichen Informations-Elternabenden findet für jedes Kind ein Aufnahmegespräch an der Schule statt. Auch in höhere Klassen können Schüler/-innen als Quereinsteiger aufgenommen werden.
Wer war Rudolf Steiner, und was hat er mit der Waldorfpädagogik zu tun?
Rudolf Steiner ist der Begründer der Waldorfpädagogik. Emil Molt, Besitzer der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, gründete mit ihm zusammen die erste Waldorfschule. Inhalt und Methode der Waldorfpädagogik beruhen auf Rudolf Steiners Erkenntnissen über Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Neben der Pädagogik fanden Rudolf Steiners Ideen z.B. auch Eingang in die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Medizin und die Kunst.
Muss ein Kind musisch begabt sein, damit es für die Waldorfschule geeignet ist?
Nein, die Waldorfschule ist eine Schule für alle Begabungsrichtungen. Wenn Waldorfschüler/-innen malen, zeichnen, plastizieren oder bildhauen, geht es dabei nicht so sehr um das Ergebnis als vielmehr um den Prozess. An dem Prozess erüben die Kinder und Jugendlichen eine Vielzahl von Fähigkeiten über das rein künstlerische Gestalten hinaus. Waldorflehrer/-innen sind bestrebt, den Verstand, die Kreativität und die Persönlichkeit ihrer Schüler/-innen gleichwertig zu entwickeln.
Ist es nicht so, dass hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten auf eine Waldorfschule gehen?
Nein. Für Kinder, die Teilleistungsschwächen oder Verhaltensstörungen haben, gibt es – wie im staatlichen Schulsystem auch – besondere Waldorfschulen: die heilpädagogischen Förderschulen. An Waldorfschulen, die nicht ausdrücklich solche Sonderschulen sind, lernen Kinder aller Begabungsrichtungen, nur dass hier neben intellektuellen Fähigkeiten gleichwertig auch soziale und handwerklich-künstlerische Fähigkeiten angesprochen werden.
Stimmt es, dass Waldorfschulen immer sehr große Klassen haben?
Das ist von Schule zu Schule verschieden. An unserer sind in den Klassen 1-8 höchstens 32 und in den übrigen bis zu 34 Schüler/-innen die Regel. Abgesehen vom Hauptunterricht am Morgen werden in vielen Fächern die Klassen dann allerdings in zwei oder drei Gruppen geteilt. In einer großen Klasse entsteht durch die Vielzahl der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften der Kinder über zwölf Schuljahre eine soziale Gemeinschaft, in der die jungen Heranwachsenden aneinander lernen.
Stimmt es, dass es an der Waldorfschule keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt?
Auch wenn Waldorfschulen in der Unter- und Mittelstufe auf Noten verzichten, korrigieren die Lehrer/-innen selbstverständlich alle Schülerarbeiten. Sie lassen es aber nicht bei dürren Noten bewenden, sondern formulieren individuelle Beurteilungen. In den Zeugnissen gehen die Lehrer/-innen ausführlich auf die Persönlichkeitsentwicklungen und auf die Lernfortschritte ihrer Schüler/-innen ein. Die Waldorfpädagogik richtet sich nach den Entwicklungsphasen der Kinder und Jugendlichen. Deshalb ist nicht der Wissensstand, sondern die Gesamtentwicklung entscheidend. Von der ersten bis zur zwölften Klasse bleiben die Schüler/-innen nach Möglichkeit selbst dann in einer festen Klassengemeinschaft, wenn ihre Leistungen vorübergehend nachlassen. Niemand bleibt sitzen.
Ohne Noten und ohne Sitzenbleiben: Sind die Kinder dann überhaupt zum Lernen motiviert?
Da der Waldorfschulunterricht auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler/-innen abgestimmt und möglichst lebensnah gestaltet ist, stellt sich dieses Problem nur selten. Initiative sollen die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund von Leistungsdruck, sondern aus einer gesunden Motivation heraus entwickeln.